8-10 December 2017
Alpen Adria Universität Klagenfurt
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Contribution

Alpen Adria Universität Klagenfurt - Mensagebäude (Hörsaal 11)

Schmidtlein und Müllerle – Auswertungsmöglichkeiten im „Digitalen Familiennamenwörterbuch Deutschlands” am Beispiel der Diminutiv-Bildung bei häufigen Berufsnamen

Speakers

  • Mrs. Franziska HORN
  • Dr. Rita HEUSER

Primary authors

Content

Müller, Schneider, Schmidt – diese Namen sind recht leicht zu verstehen und zu re-cherchieren. Bei einem Großteil der rund 850.000 verschiedenen Familiennamen Deutschlands erweisen sich bisherige Nachschlagewerke jedoch als defizitär. Das DFD erschließt nun erstmals den Grundbestand aller gegenwärtig in Deutschland vorkommenden Familiennamen. Es handelt sich um ein Kooperationsprojekt der Akademie der Wissenschaften und der Literatur | Mainz, der Johannes Gutenberg-Universität Mainz und der Technischen Universität Darmstadt. Aktuell sind online bereits über 12.000 Namen lexikographisch erfasst und etymologisiert. In den Na-menartikeln wird die Bedeutung und Verbreitung der Familiennamen erklärt – von Weber über Ferrari bis Pfannkuchen. Die geographische Verbreitung des Namens zu berücksichtigen, hat sich als wichtiges Hilfsmittel zur Namendeutung herausgestellt. Für die Erstellung der Wörterbuchartikel wurde im DFD die digitale Arbeitsumgebung „Onodi“ entwickelt (vgl. Denzer/Horn 2014; vgl. Horn/Hambuch/Reker 2016). Das modulare Redaktionssystem erlaubt es den Bearbeiter*innen, lexikographische Angaben strukturiert und einheitlich über eine graphische Nutzeroberfläche zu erfassen. Dabei werden Wörterbuchpositionen wie einzelne Bedeutungen und Phänomene wie z. B. Benennungsmotive und Sprachangaben explizit mithilfe einer Markup-Sprache nach den Richtlinien der Text Encoding Initiative (TEI) annotiert. Durch die Verwen-dung der Markup-Sprache XML , die den de-facto Standard für die Aufbereitung lexi-kographischer Daten bildet (vgl. Herold/Meyer/Müller-Spitzer 2016, S. 132), ergeben sich vielfältige Möglichkeiten zur automatischen Auswertung.

In diesem Vortrag möchten wir einen Einblick geben, welche Auswertungsmöglich-keiten die Namenartikel als digitale Forschungsdaten bieten. Dazu werden zunächst kurz die Eckdaten des Projekts vorgestellt und es wird gezeigt, wie die Wörterbuchar-tikel XML-basiert im dezentralen Redaktionssystem „Onodi” erfasst und veröffentlicht werden. Anschließend wird das Potential, das in den vielfältig annotierten Daten liegt, anhand erster Untersuchungen zu Diminutiven bei Berufsnamen aufgezeigt.

Diminutive treten häufig bei Familiennamen auf, die aus Rufnamen abgeleitet sind, da Koseformen hier zu erwarten sind. Bei Berufsnamen sind Diminutive generell sel-tener – mit Ausnahme der Namen, die auf die Berufsbezeichnung 'Schmied' zurück-gehen. Die häufigen Berufsnamen verhalten sich bei der Bildung von Diminutiven folglich höchst unterschiedlich. Erste Abfragen mit XQuery , der Abfragesprache für die Auswertung von XML-Dateien (vgl. Herold/Meyer/Müller-Spitzer 2016, S. 133), belegen, dass sich zum Namen Müller (als häufigster Familienname in Deutschland) nur drei Beispiele finden: Müllerchen, Müllerke und Müllercke (bei Möller treten nur Möllerke und Moellerke auf). Dagegen finden sich ca. 50 verschiedene Diminutive, die auf Schmidt zurückgehen, z. B. Schmidtlein und Schmidtgen. Im Rahmen des Vortrags sollen neben den Befunden für verschiedene häufige Berufsnamen mögli-che Erklärungsansätze vorgestellt und anhand des Datenmaterials, das im DFD be-reits erarbeitet wurde, diskutiert werden.